Eine neue Version des Lebens

John Galliano beging professionellen Selbstmord

publiziert: Mittwoch, 11. Jun 2014 / 13:02 Uhr
John Galliano taucht langsam wieder in die glitzernde Welt der Mode ein.
John Galliano taucht langsam wieder in die glitzernde Welt der Mode ein.

Designer John Galliano (53) beging «professionellen Selbstmord», weil er unter starkem Druck stand. Er hat durch sein skandalöses Verhalten viel verloren, aber auch viel gewonnen.

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Im Jahr 2011 wurde der Designer als Kreativ-Chef von Christian Dior und seinem gleichnamigen Label entlassen, nachdem er bei einer öffentlichen Auseinandersetzung anti-semitische Pöbeleien von sich gab. Der Vorfall ereignete sich in Paris und wurde gefilmt.

Während des folgenden Gerichtsverfahrens gestand Galliano seine Alkohol- und Medikamentensucht ein. Im Anschluss begab er sich in eine Entzugsklinik und verbrachte ausserdem viel Zeit mit jüdischen Vereinigungen, als Akt der Wiedergutmachung. Seit dem vergangenen Jahr wagt er sich langsam wieder in die Modeindustrie vor.

Eine neue Version des Lebens

In einem Interview mit dem französischen Psychiater Boris Cyrulnik für 'Le Point' erklärte er, was er in dieser Zeit über sich gelernt habe.

«Ich habe verloren, aber ich habe gleichzeitig sehr viel gewonnen. Ich bin eine kreative Person und das kann mir keiner nehmen. Mir wurde gesagt, dass ich professionellen Selbstmord begangen habe, weil es die einzige Fluchtmöglichkeit vor dem schrecklichen Druck war, der auf mir lastete. Was denken Sie?», sagte er auf die Frage seines Interviewers, ob er seine Bestrafung zu hart gefunden habe.

Der Psychiater erwiderte, dass Selbstmordgedanken eher aus dem Wunsch heraus entstehen, einen Teil des Lebens zu beenden und eine neue Version zu beginnen, als wahrlich sterben zu wollen. Er schlug vor, dass Galliano in Zukunft eine bessere Balance zwischen seinem Arbeits- und Privatleben finden solle.

«Ich sagte das Unausstehlichste»

Das Gespräch drehte sich ausserdem um die problembehaftete Kindheit des Designers. Der Tod seines Vaters sei ein Wendepunkt in dessen Leben gewesen, da er zuvor nie über die Vergänglichkeit des Lebens nachgedacht habe. Auch seine Sexualität verursachte ihm Probleme, in der Schule beschimpfte man ihn aufgrund seiner Homosexualität und auch innerhalb seiner Familie führte das zu Auseinandersetzungen.

In einem Akt der Selbsttherapie besorgte er sich Medikamente, später tat er das gleiche, als der Druck bei Christian Dior zu stark wurde. «Was in dem Pariser Café La Perle geschah, war ein Verteidigungsmechanismus. Ich habe ein Muster wiederholt, das ich als Teenager so kannte und ich hatte eine explosive Mischung aus Drogen und Alkohol intus. Am 24. Februar 2011 war ich nicht ich selbst. Ich sagte das Schlimmste, Unausstehlichste und Schrecklichste, was es gibt», betonte Galliano.

Unzählige Tabletten

Der Modemacher wurde wegen öffentlicher Beleidigung verurteilt und musste 7300 Franken Strafe zahlen. Während des Prozesses erklärte er, dass der Arbeitsdruck bei Dior und seine Sucht Gründe für den Ausbruch waren. Seit dem Tod seines Assistenten und engen Freundes Steven Robinson im Jahr 2007 sei es mit ihm bergab gegangen.

«Nach jedem kreativen High brach ich zusammen und der Alkohol half mir, zu flüchten. Ich begann, Panik- und Angstattacken zu bekommen, ich konnte nicht mehr ohne Valium zur Arbeit gehen. Mein Körper war so an die Tabletten gewöhnt, dass ich immer mehr nahm und mich nicht einmal erinnerte, wie viel ich tatsächlich schluckte. Manchmal nahm ich tagsüber Schlaftabletten», berichtete er während der siebenstündigen Anhörung dem vollen Gerichtssaal.

Im vergangenen Jahr arbeitete er mit der Mode-Ikone Oscar de la Renta (81) zusammen und startete so sein Comeback, jetzt wurde er als neuer Kreativ-Chef des russischen Beauty-Labels L'Etoile enthüllt.

(awe/Cover Media)

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